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Musik hilft (nicht nur) gegen Stresssymptome


Musik spielt seit je her eine zentrale Rolle in der Menschheitsgeschichte. Musik war seit den frühesten Anfängen stets ein wichtiger Bestandteil religiöser, aber auch heilkundlicher Handlungen. Bis zum Mittelalter gehörte zum medizinischen Studium auch eine musikalische Ausbildung. Nun werden im Sinne der ganzheitlichen Medizin diese alten Wurzeln der Heilkunst neu entdeckt.

frau hört musik zur entspannungIn den letzten Jahren sind bedeutende Fortschritte sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Anwendung von Musik gemacht worden. Musik spielt im Leben eines jeden Menschen nicht nur eine wichtige Rolle, sondern wirkt sich auf das vegetative Nervensystem, und somit auf den gesamten Körper des Menschen aus.

Musik kann beruhigen, durch Stress ausgelöste typische Körperreaktionen können durch Musik positiv beeinflusst werden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Musik messbare Wirkungen und wertvolle therapeutische Eigenschaften besitzt:

  • Herabsetzung der Muskelspannung
  • Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck
  • Reduzierung des Stresshormonspiegels
  • Harmonisierung des Atemrhythmus
  • Senkung des Sauerstoffverbrauchs und des Stoffwechsels
  • reduziertes Schmerzempfinden
  • weniger Angst
  • Stärkung des Vertrauens usw.

Vielfältige Einsatzgebiete

Verhaltensbiologische Untersuchungen haben ergeben, dass Rhythmus, Tonfall, Lautstärke und Stimmlage, also der musikalische Bestandteil der Sprache, unabhängig vom sachlichen Inhalt, Emotionen vermitteln. In Folge konnte gezeigt werden, dass der musikalische Rhythmus das wohl effektivste Wirkelement darstellt.
Unter anderem konnten Wissenschaftler [1] zeigen, dass das „Ave Maria“, auf Latein gesungen, einen 10 Sekunden-Rhythmus hat, was die Atemfrequenz günstig beeinflusst. In einer anderen Sprache sind die Rhythmen verändert – kürzer oder länger – und wirken sich nicht mehr auf die Atmung der Versuchspersonen aus.

Ralph Spintge von der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, konnte in seinen Untersuchungen nachweisen, dass mittels musikalischer Reize Stress- und Schmerzempfinden signifikant beeinflusst werden [2]. Dass Musik auch in der Behandlung von Krebspatienten und Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung hilfreich sein kann, zeigen eindrucksvoll zwei veröffentlichte Metaanalysen [3,4].

Musikhören kann bei Patienten mit Herzleiden Blutdruck und Herzschlagfrequenz sowie innere Unruhe senken. Die Musik hilft den Patienten, mit der Erkrankung verbundene Stress- und Angstgefühle besser zu bewältigen und senkt dadurch das Risiko für Vorfälle wie Herzinfarkte.

Die signifikanten Effekte bei Krebspatienten, vor allem in Bezug auf die Reduzierung von Ängsten, haben dazu geführt, dass die Musiktherapie in die Leitlinien zur Krebstherapie aufgenommen wurde [5]. Auch bei Schwerstkranken kann Musiktherapie die Lebensqualität in der Endphase des Lebens positiv beeinflussen [6].

Auf „Stimmigkeit“ achten

Aber nicht jede Art von Musik ist hilfreich. Sie sollte, auch das zeigen die Studien, vielmehr individuell ausgewählt werden. Die Patienten sollten die Musik mögen, und sie sollte ruhig und getragen sein. Je besser die Musik auf den Patienten abgestimmt ist und je besser dieser sich der Musik hingeben kann, desto größer ist Ihr positiver Einfluss.

Fazit

Musik wird bei depressiven Personen, alten Menschen, zur Schmerztherapie und im Rahmen der Intensiv- bzw. Palliativmedizin eingesetzt. Sie sollte jedoch individuell nach den Wünschen der Patienten ausgewählt werden. Nur so lassen sich die gewünschte Effekte erreichen und die Lebensqualität verbessern. Die besten Ergebnisse sind durch klassische oder meditative Musik zu erreichen. Heavy Metal Musik oder Techno-Rhythmen sind dagegen zumeist ineffektiv oder gar schädlich. Auch Lärm stresst Menschen.

Quellen:
1. Sleight P. Cardiovascular effects of music by entraining cardiovascular autonomic rhythms music therapy update: tailored to each person, or does one size fit all? Neth Heart J. 2013; 21: 99–100
2. Spintge R. Musik in Anästhesie und Schmerztherapie. Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. 2000;35(4):254-61.
3. Bradt J et al. Music interventions for improving psychological and physical outcomes in cancer patients. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(8):CD006911.
4. Bradt J et al. Music for stress and anxiety reduction in coronary heart disease patients. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Dec 28;12:CD006577. doi: 10.1002/14651858.CD006577.pub3.
5. S3-Leitlinie Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten. Version 1.0 – Januar 2014; AWMF-Registernummer: 032/051OL. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-051OLm_S3_Psychoonkologische_Beratung_Behandlung_2014-01-verlaengert.pdf
6. Bradt J, Dielo C. Music therapy for end-oflife care. Cochrane Database Syst Rev. 2010;(8):CD0071069.

Weitere Informationen: Was ist Stress?

 

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Musik als „Alleskönner“? Durch Musik kann das Stress- und Schmerzempfinden signifikant beeinflusst werden, außerdem, kann sie bei Patienten mit Herzleiden Blutdruck und Herzschlagfrequenz sowie innere Unruhe senken.

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