Multitasking: warum weniger mehr ist

Aus wissenschaftlichen Studien.

In den letzten Jahrzehnten hat sich Multitasking auch in deutschen Unternehmen immer mehr zum gängigen Arbeitsstil entwickelt. Wer nicht möglichst viel auf einmal schafft, gilt schnell als langsam, wenig belastbar oder gar faul. Doch längst ist bewiesen: Das menschliche Gehirn ist physiologisch nicht zum Multitasking in der Lage. Der Versuch, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, beeinträchtigt das Leistungsvermögen, die Arbeitsqualität und führt zu körperlichem Stress mit all seinen negativen Konsequenzen.

Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Je höher bei gleichzeitig auszuführenden Aufgaben die kognitive Beanspruchung ist, desto größer sind die Qualitätseinbußen, der Zeitverlust und die Fehlbeanspruchungsreaktionen. Wie gut Multitasking funktioniert, hängt also im Wesentlichen davon ab, wie viel Aufmerksamkeitdie jeweiligen Tätigkeiten erfordern. Das heißt: Um Zeit zu sparen, kann man zwar zum Beispiel beim Treppensteigen telefonieren – nicht aber beim Telefonieren eine E-Mail schreiben oder einen Text korrigieren. Der Grund: Eine gleichzeitige Informationsverarbeitung ist auf neurophysiologischer Ebene im Gehirn nicht möglich. Der Versuch zeigt: Die Information erfolgt immer zeitverzögert und die ablaufenden Prozesse behindern sich gegenseitig1.

Multitasking setzt Überforderungskreislauf in Gang

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So kostet Multitasking Arbeitsforschern zufolge bis zu 28 Prozent der täglichen Arbeitszeit2 und kann leicht zu Überforderungführen. Wie der Stressreport der Bundesanstalt für Arbeit unter 20.000 Beschäftigten ergab, leiden mehr der im Büro Tätigen unter Multitasking (66 Prozent) als unter großem Termin- und Leistungsdruck (60 Prozent)3. Multitasking fördert nachweislich die Bildung von Stresshormonen wie Adrenalin und Kortisol und kann so zu chronischem Stress mit all seinen negativen gesundheitlichen Folgen führen: Überforderung, Gereiztheit, Nervosität, Schlafstörungen und Erschöpfung bis hin zum Burnout.  Durch die Freisetzung des Belohnungshormons Dopamin wird dem Gehirn zudem signalisiert: „Je mehr du arbeitest, desto glücklicher bist du.“ So wird der Negativ-Kreislauf noch zusätzlich befeuert.

Durch Entspannung und guten Schlaf die Nerven stärken

Wer im Berufsalltag unter großer Stressbelastung steht und oft bei seiner Tätigkeit unterbrochen wird, sollte vorsorglich sein Nervenkostüm stärken. Während des Arbeitstages regelmäßig und bewusst für kurze Erholungspausen zu sorgen, ist hilfreich um sich auch am späten Nachmittag und Abend noch gut konzentrieren zu können. Regelmäßige bewusste Entspannung durch Hobbys und Sport sorgen für einen sinnvollen Ausgleich in der Freizeit. Wer zudem ausreichend und gut schläft, schafft eine optimale Grundlage um mit den Belastungen des Alltages gut umgehen zu können.

Experten empfehlen Monotasking

Arbeitsforscher raten Unternehmen überdies zu Monotasking als neuem Arbeitsstil. Sich für eine längere Zeitspanne auf nur eine Aufgabe zu konzentrieren, bietet zahlreiche Vorteile. Experten zufolge kann man so bis zu 40 Prozent Zeit sparen. Die Produktivität steigt, der Zeitdruck nimmt ab. Monotasking verbessert nicht nur das Arbeitsergebnis – sondern auch die Arbeitsplatzqualität. Die positiven Folgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Bessere Unternehmenszahlen und mehr Erfolg, weniger Stressbelastung, niedrigere Krankenstände und größere Arbeitsplatzzufriedenheit.

Quellen:

1 X. Weißbecker-Klaus: „Multitasking und Auswirkungen auf die Fehlerverarbeitung. Psychophysiologische Untersuchung zur Analyse von Informationsverarbeitungsprozessen“, 1. Auflage, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2014. ISBN: 978-3-88261-006-2, 83 Seiten, Projektnummer: F2247, Papier, PDF-Datei.

2 M. Meckel: „Die Aufmerksamkeitskrise. Wie wir uns in einer Kultur der Zerstreuung wieder versammeln können“, Organisationsentwicklung Nr. 4, 2009

3 A. Lohmann-Haislah: „Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden“, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA, Dortmund/Berlin/Dresden, 2012. ISBN: 978-3-88261-725-2, www.baua.de/dok/3430796