Immer am Puls der Zeit – eine digitale Überforderung?

Wenn Trendbewusstsein in digitale Überforderung umschlägt…Gut informiert zu sein – längst kein „Kann“ mehr, sondern ein Muss. Um im Alltag der modernen Informationsgesellschaft Schritt halten zu können, ist das Internet nahezu unverzichtbar. Doch der Dauer-Zugriff auf Newsfeeds, Facebook & Co. hat auch Schattenseiten: Probleme, mit der großen Informationsflut fertig zu werden, führen zu Anspannung und innerer Unruhe– im Extremfall auch zu chronischem Stress mit all seinen Folgen wie Schlafstörungen und körperlichen Beschwerden.

Kaum ein Mensch bewegt sich heute mehr ohne Smartphone oder Tablet durch den Alltag. Rund 35 Millionen Stunden verbringt die Menschheit monatlich im Internet1. Ob zur Information oder um mit Familie und Freunden in Kontakt zu sein – das „World Wide Web“ ist generationenübergreifend als Medium nahezu unverzichtbar geworden.

Internet: immer und überall dabei

Jeder User kennt das aus eigener Erfahrung: Selten bleibt es bei nur einem gezielten informativen Blick. Hat man Smartphone oder Tablet erst einmal in der Hand, klickt man sich munter durch die verschiedenen Apps auf dem Bildschirm, googelt man noch dies und das. Und das nicht etwa nur ein- oder zweimal am Tag, sondern quasi ständig. Anders als zu Zeiten riesiger stationärer PCs, die im Arbeitszimmer standen, ist das Internet heute nämlich buchstäblich überall dabei: Im Büro, am Esstisch, im Wohnzimmer beim Fernsehen, sogar im Schlafzimmer. Und man surft darauf los, obwohl man eigentlich mit den Gedanken gerade ganz woanders ist (oder sein sollte).

Digitales Multitasking mit negativen Folgen

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Das Ergebnis: Die Konzentration auf nur eine Sache lässt nach, man springt zwischen den verschiedenen Aufgaben und Gedanken hin und her. Der Effekt ist der Gleiche wie beim Multitasking, das erwiesenermaßen Stress, Nervosität und Anspannung verursacht. Hält dieser Zustand über längere Zeit an, können Überforderung und nervöse Schlafstörungen die unangenehmen Folgen sein. Hinzu kommt, dass das Surfen viel Zeit kostet – die an anderer Stelle fehlt. Schiebt man wichtige zu erledigende Aufgaben vor sich her, um sich den Ablenkungen durch das Internet hinzugeben, gerät man unweigerlich unter Zeit- und Termindruck. Solches Aufschiebeverhalten wird von Psychologen als „Prokrastination“ bezeichnet – eine kontraproduktive und daher schlechte Arbeitsgewohnheit2, die sich nur schwer wieder ablegen lässt.

Mit Medienfasten und Entspannung dagegenhalten

Für ungestörtes Arbeiten und ein gesünderes Verhältnis zu digitalen Kommunikationsmitteln raten Experten zum sogenannten „Medienfasten“. Regelmäßig Handy und Co. für einen vorher festgelegten Zeitraum nicht zu benutzen, kann die Bedeutung der digitalen Information auf eine angenehme Weise relativieren. Nutzt man die medienfreien Phasen darüber hinaus gezielt für Entspannung, gibt man sich selbst zudem die Chance mental auch einmal völlig „abzuschalten“. Stress und Schlafstörungen infolge digitaler Überforderung sind bei bewusstem Medienkonsum kein Thema mehr.

Quellen:

1 DFME (Deutsches Fachzentrum für Stressbewältigung, Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung), www.fachausbildung-stressbewaeltigung-achtsamkeit.de, Februar 2014

2 Wikipedia: „Aufschieben“, 7. September 2015, https://de.wikipedia.org/wiki/Aufschieben