Stressfaktor Lärm

Aus wissenschaftlichen Studien. Wenn die Geräuschkulisse an den Nerven zerrt und der Gesundheit schadet …

Lärm geht rund 83 Prozent aller Deutschen „auf die Ohren“ – und an die Nerven. Dabei ist Lärm weit mehr als eine reine Belästigung. Mediziner schlagen Alarm und weisen auf die enormen gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltlärm hin.

54 Prozent der Bundesbürger ärgern sich am meisten über Straßenverkehrslärm. Jeder Fünfte über Fluglärm und jeder Sechste über Schienenverkehr. Aber auch in den eigenen vier Wänden ist es vielen zu laut: Vierzig Prozent aller Menschen regen sich über Geräusche der Nachbarn auf. Und oft bleibt es nicht bei einer Lärmquelle.

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Verkehrslärm: Risiko für das Herz-Kreislauf-System

Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Folgen von Lärm. So steigt bei Menschen über 65 Jahren das Risiko eines Schlaganfalls um 25 Prozent je zehn Dezibel Straßenlärm-Anstieg1. Wer in der Nähe eines größeren Flughafens wohnt, muss gar mit einer kürzeren Lebenserwartung rechnen und wird zehn bis 20 Mal häufiger ins Krankenhaus eingeliefert2. Vor allem nächtlicher Fluglärm ist ein Risiko: Die Gefäßfunktion wird Untersuchungen zufolge beeinträchtigt, der Blutdruck steigt an und der Schlaf wird unruhiger. Aufgrund der durch die Lärmbelastung verursachten Schlafstörungen sind die Betroffenen auch tagsüber oft nervös und weniger leistungsfähig – ein Teufelskreis.

Auch relativ geringe Geräuschpegel schaden

Schon leisere Alltagsgeräusche unter 50 Dezibel – etwa ein in großer Höhe überfliegendes Flugzeug oder das Brummen eines Kühlschrankes – schaden dem Herz-Kreislauf-System. Lärmbelastung treibt den Blutdruck in die Höhe und kann auf Dauer zu Bluthochdruck führen, einem der wichtigsten Auslöser für einen Herzinfarkt2. Zudem beeinträchtigt Lärm die Herzratenvariabilität, also die Fähigkeit des Herzens, bei Bedarf mehr Blut durch den Körper zu pumpen3.

Ärger über Störung löst Stressreaktion aus

Unerwünschte Lärmbelästigung sorgt außerdem bei vielen Menschen für heftigen Ärger und damit für eine körperliche Stressreaktion. Diese kann auch chronisch werden. Dauerhafte Lärmbelastung kann so zu seelischen Erkrankungen, Schlaflosigkeit und Depressionen führen. Betroffene sollten deshalb im Interesse ihrer Gesundheit Maßnahmen ergreifen, um besser mit Lärm umzugehen und ihr Nervenkostüm zu stärken.

Lärm vermeiden und besser damit leben lernen

Ein guter Rat sind Lärmstopp-Maßnahmen im direkten Wohn- und Berufsumfeld: Grünpflanzen, bodentiefe Vorhänge, schallabsorbierende Wandfarbe und Teppichböden dämpfen den Geräuschpegel. Auch Schallschutzfenster und -türen sowie Elektrogeräte mit Lärmschutzsiegel können eine lohnenswerte Investition sein. Was man sich immer vor Augen halten sollte: Ärger über Lärm verschlimmert die Situation nur noch.

Um dem Lärmstress die Spitze zu nehmen, raten Psychologen zum Griff in die mentale Trickkiste. So kann es helfen, an der eigenen Grundeinstellung zu „drehen“, damit zum Beispiel das Bellen eines fremden Hundes weniger nervt als das des eigenen. Als „Reframing“ wird bezeichnet, störenden Geräuschen einen Sinn zu geben und ihnen etwas Positives abzugewinnen: Das unangenehme Dröhnen des Zahnarztbohrers zum Beispiel bringt das Ende der Behandlung immer näher und Rasenmäher-Radau hat unweigerlich den wunderbaren Duft frisch von frisch gemähtem Gras zur Folge.

Quellen:

1 Sørensen, M. et al.: Road traffic noise and stroke: a prospective cohort study. European Heart Journal 2011; 32(6):737-744.
2 Hansell, A. et al.: Aircraft noise and cardiovascular disease near Heathrow airport in London: small area study. British Medical Journal 2013; 347:f5432.
3 Kraus, U. et al.: Individual day-time noise exposure during routine activities and heart rate variability in adults: A repeated measures study. Environmental Health Perspectives 2013; 121(5):607-612.